Barfuß auf dem Pferderücken

Früher sind wir fast immer ohne Sattel geritten, das prägt den Sitz und macht den Reiter sattelfest. Da haben wir aber noch nicht gewusst, dass wir dann mit unseren Sitzbeinhöckern wie mit Entenfüßchen direkt auf und neben der Wirbelsäule der Pferde sitzen. Das ist für die Vierbeiner nicht gerade angenehm. Ein Sitzkissen mit Bügeln wäre die Lösung gewesen, doch die Ausführungen auf der ”Euro Cheval” in Offenburg erschienen mir nicht optimal, da die Sitzfläche den Pferderücken auf längeren Touren ungenügend schützt. Diese Gedanken müssen sich Hersteller ebenfalls gemacht haben und sie entwickelten einen baumlosen Sattel, der dem Reiter genug Halt bietet, gleichzeitig aber so liegt, dass er vom Pferd auch als angenehm empfunden wird. Solche Sättel sind bei vielen Reitern stark in der Kritik, deshalb hat Pferde-auf-die- couch.de so einen für den Pferdeanzeiger getestet.

Es gab einen ganzen Packen Gründe, sich nach einem weiteren Sattel für mich und meinen Betrieb, Verhaltens- und Kommunikationstraining für Ross und Reiter, mit den verschiedenen Therapiepferden umzusehen: In meinem Stall habe ich zwar drei Markensättel für Dressur, Springen und Gelände, aber ich habe auch Pferde mit Stockmaß zwischen 1,40 und 1,76 Meter! Sie alle sind völlig verschieden, vom zierlichen Halb- und Vollblüter bis zum typischen alten schweren Hannoveraner. Es wäre vermessen zu glauben, es gäbe einen Sattel für alle?

Auf der Suche nach einem Sattel, der für möglichst viele Pferde passen und auch auf meinem eigenen Nachwuchspferd gut liegen würde, entdeckte ich auf der Messe ”Pferd & Jagd” vor einem Jahr einen baumlosen Sattel. Mein Wadenbeinbruch beschleunigte die Entscheidung und so probierte ich das Standardmodell gleich im März, vier Wochen nach dem Unfall und wenige Tage, nachdem mir der Gips abgenommen wurde. Auf das erste Problem hat mich Cornelia Koller aus Schierhorn bei Buchholz / Nordheide gleich von sich aus am Stand auf der Messe aufmerksam gemacht: „Auf diesem Sattel sitzt man breiter. Das dauert etwas, sich daran zu gewöhnen“. Es war mir von Anfang an angenehm und kein Problem, ich fühlte mich sicher. Die Nähe zum Pferd ist angenehm, die Bewegungen sind geschmeidiger und der Schwung ist gut zu sitzen. Schon beim ersten Proberitt wird die bessere Schulterfreiheit des Pferdes deutlich und der ungewohnte Sitz etwas weiter hinter dem Widerrist, ist schnell kompensiert. Bevor es jedoch so weit kam, waren noch viele Fragen zu klären: Mit welchem Gurt kann ich den Sattel benutzen? Welche Bügel brauche ich und welche Bügelriemen? Muss ich die vom Hersteller empfohlene Unterlage kaufen oder passen andere? Bei den Steigbügelriemen hilft wieder Cornelia Koller (www.hufkratzer.de), die einen Testsattel zur Probe herausgibt: „Die Löcher in den Gurtstrippen sind manchmal etwas klein“. Ein Kurzgurt vom Dressursattel passt dann aber gleich. Argwöhnisch betrachte ich Material und Verarbeitung der Gurtstrippen, denn die Unterseite ist aus Kunststoff. „Das ist nicht minderwertig, sondern besonders hautfreundlich und antiallergen“, entgegnet Cornelia Koller meinem skeptischen Blick. Sie selbst reitet mit dem Sattel Distanzen!