Beratung

Zu Beginn einer Therapie der Pferde bei mir kann es notwendig sein, sich mit dem Haus -Tierarzt, dem Schmied oder Hufbearbeiter in Verbindung zu setzen. Auch ein Reitlehrer oder Stallbesitzer trägt ganz oft zum Auffinden eines Problems und auch zur Lösung bei! Daher bitte ich im Einzelfall den Pferdebesitzer um Erlaubnis, den Kontakt zu bisherigen Kliniken, Tierärzten u.ä. aufnehmen zu dürfen. Ganz klar halte ich mich dabei an meine Schweigepflicht, nenne Ross und Reiter gegenüber Fremden nicht beim Namen. Trotz allem sind diese Kontakte für mich Gold und für meine Klienten vielleicht viel Geld wert, das sie dadurch sparen können! Nicht zuletzt wird dem vierbeinigen Kandidaten noch schneller geholfen!

Besonders am Herzen liegt mir die Beratung für Rehepferde durch Dorle Jürgensen. Nach neuen Studien und Erkenntnissen hat sich bewährt, Rehekandidaten nicht auf dürre Wiesen ohne einen Grashalm zu stellen! Notfalls lieber einen Abenteuerauslauf mit viel Abwechslung und Bewegung, Fütterung mit Heu und fachkundige Beratung bei Nahrungsergänzungen! Vorsicht! Einige Tierheilpraktiker geben Zusatzfutter ohne Etikettierung heraus und Sie können daher nicht wissen, ob Sie dem Patienten nicht doch Futtermittel mit hohem Zucker- und Melassegehalt geben!

Die Wiese sollte lieber langes Gras mit besserem Verhältnis zwischen Fructanespeicher (Achtung Sonne! Achtung Dünger!) und Halmlänge haben! Hafer als Ergänzung ist besser als Müsli oder gar als Fasten, wegen der notwendigen Vitamine, des Calciuums und der besseren Verwertbarkeit des Getreides:  Pferde brauchen dank des Hafers den eigenen Eiweißspeicher nicht anzugreifen, was noch mehr Energie erfordern würde als schon allein der Heilungsprozess benötigt! Oberstes Gebot bleibt das Futter! Zucker ist untersagt und auch auf versteckten Zucker wie Melasse oder Fruchtzucker (Vorsicht mit Saftfutter wie Äpfeln und Möhren!) sollte jeder Futtermeister achten!

Abraten würde ich jedem Pferdefreund von Spezialbeschlägen bei Rehepferden und -ponnies! Jede Verletzung der Hornkapsel bedeutet zusätzliche Belastung! Viel wichtiger ist eine physiologische Hufbearbeitung und die richtige Stellung, dazu viel Bewegung und Entertainment für unsere Pferde! Ein Wort auch zur Mode namens Hufschuh: Auch der wirkt, wenn er nicht 24 Stunden dauerhaft getragen wird, wie ein Klotz am Bein, verändert die Hufmechanik und erscheint dem Pferd so wie einem Menschen, der es sonst gewohnt ist in Sportschuhen zu laufen und der nun in Stöckelschuhen um die Alster joggen soll!

Über ein Netzwerk von Experten und Pferdefachleuten steht dem Kunden bei Pferde auf die Couch eine vielfältige Beratung zur Verfügung.

Praxistest: Kräuterwanderung über Pferdewiesen

Im Sommer haben die Pferde die Weiden abgegrast und einige Stellen hinterlassen, auf denen sie sich ausgiebig gewälzt haben. Diese Sandkuhlen werden mit Reparatursaat der Firma Wichert aus Stuhr ausgeglichen und ausgezäunt, obwohl Schimmelpony Linus immer wieder Möglichkeiten entdeckt, diese Zäune zu unterwandern. Im Zuge der Maßnahmen hat sich im Vorjahr angeboten, die Kräutermischung auf den Pferdeweiden, im Obsthof und unter der großen Buche auszustreuen, in der Hoffnung, dass im Winter unter dem Schnee und Frost möglichst viele dieser Horste überlebt haben, damit im Frühjahr die Suche nach den Kräutern beginnen kann. Zur Kräuterwanderung kann der Spaziergang über die Flächen nun werden: Was kommt aus dem Boden, was nicht?

Mit Argusaugen habe ich über Herbst und Winter meine Saat beobachtet, die ich am Rand der Weiden ausgebracht habe, damit das zarte Grün nicht gleich wieder den Zähnen der frechen Ponnies oder der Neugier der Großpferde zum Opfer fallen. Ohne mir die Stellen auf einem Plan einzuzeichnen, hat sich der Besuch der jeweiligen Horste im Laufe der Wochen schon als schwierig erwiesen: Verstecken gleich, habe ich entweder kreisförmige Schnecken in den Sand gerieselt, unter die Reparatursaat gemixt oder längliche „Gräben“ hinter den Querlatten eingerichtet, jeweils mit Erde vermischt.

Woche für Woche besuche ich die meisten von ihnen, genau gesagt die, an die ich mich erinnern kann. Auch im so genannten Obsthof mit dem alten Baumbestand auf sandigem Boden habe ich Versuchsflächen angelegt; dorthin kommen die Pferde nur bei entsprechendem Wetter, damit sie das junge Gras nicht gleich wieder niedertreten. Oder eben im Winter, wenn das Grün unter Schnee und Frost ruht. Versuche mit Phacelia oder Luzerne sind dort kläglich gescheitert.

Die erste Zerreißprobe haben die jungen Kräuter im Herbst erlebt. Der Hof ist umgeben von Eichen und Buchen, Jahrzehnte alter Baumbestand, der natürlich Laub abwirft. So schön es aussieht, gefegt und in Tüten verpackt werden muss es leider. Meine Bitte an den Partner, doch unter der Buche das Laub zuerst mit dem Püster –ausnahmsweise und absolut unökologisch- auf die feste Rasenfläche an der Terrasse zu befördern und erst dort mit dem Rechen zu Haufen zu kehren, hat er gänzlich oder genüsslich überhört. Mein Knurren, dass er ja doch den einen oder anderen Halm übrig gelassen habe, quittiert er beleidigt mit mir ebenbürtigem Murmeln. Der Ton macht die Musik?

Der erste Schnee und Frost ist überstanden und die Besuche der Horste dehnen sich auf längere Abstände aus, da andere Aufgaben über Winter wichtiger sind. Eine erste Überraschung haben die lang anhaltenden Regenfälle im Frühling gebracht, da ich einige Kräuter hinter dem Stall an einem Hang ausgebracht hatte: Der Regen muss sie weggespült haben, bevor sie dort wurzeln konnten. Aber: sie haben sich ganz von allein mit dem abfließenden Wasser einen besseren Standort gesucht und kommen nun am Offenstall aus der Erde. Hurra! Bescherung für Lucie und Linus, die „Peanuts“, die sonst keinen Halm zu kurzes Gras dürfen, wegen der Rehe-Gefahr langes Gras nur portioniert.

Gespannt, welche Kräuter sich bewähren und sich ausgebreitet haben, warte ich auf den Frühling. Klee, Spitz- und Breitwegerich haben die Weiden um den Hof herum zur Genüge, durchaus kein Nachteil, denn diese Kräuter sind trittfester als Luzerne, die ich unter den Bäumen und im Obsthof verteilt habe. Wegerich ist widerstandsfähiger als die anderen Bestandteile aus der Kräutermischung mit Kümmel, Pastinake, Wegwarte, Ringelblume, Petersilie, Schafgarbe, Wilde Möhre und Kleiner Wiesenknopf. Bei der ersten Begehung meine ich, die Petersilie ausgemacht zu haben, es könnte aber ebenso Schafgarbe sein. Wo sind die Referenten der Seminare und Vorträge, wenn ich sie in der Praxis heute brauche?

Nachdem ich eine Kräuterwanderung in Stade mitgemacht habe, das ist schon einige Sommer her, kenne ich noch immer nicht alle Pflanzenstadien der Kräuter. Ich habe die Versuchsstreifen auf verschiedenen Böden ein wenig deshalb für mich gemacht, damit ich die jungen Pflanzen besser unterscheiden lerne. Was ist da Hahnenfuß? Entdecke ich kein Jakobskreuzkraut? Sind die gelben Sonnenröschen, die sich morgens mit dem Tau öffnen und abends schließen, giftig für Pferde?

Es ist nicht empfehlenswert, Gräser und Kräuter in einer Mischung gleichzeitig  zu säen, warnt die Empfehlung der Firma auf der Packung: Bewährt habe es sich, einen Randstreifen abzuteilen, dort die Kräutersaat in Mutterpflanzenhorsten zu säen und erst nach dem Absamen zu mähen. Da ich absolut neugierig war, habe ich eben Kräuter doch zwischen die Reparatursaat gegeben. Das ist die Praxis bei meinem Experiment, das machen bestimmt viele andere so, die gar nicht erst die Anweisung lesen? „Wenn der neue Aufwuchs 15 bis 17 cm hoch ist, kann der Zaun entfernt  und die Fläche den Pferden zum Abfressen überlassen werden“, ergänzen die Kräuterexperten auf ihren Seiten im Internet. Hm, zwei Substantive, ein Verb nur Singular? Müsste das Verb wohl Plural sein. Egal. Gesagt, getan…

Besonders Linus und Lucie haben sich über die Abwechslung gefreut, als sie zuerst die neuen Flächen probieren dürfen, während die Großpferde auf den Wiesen gegenüber hinter perfektem Holzzaun fetteres Gras haben, Länge ab 20-30 Zentimeter mindestens.  Im nächsten Jahr werden wir wieder so vorgehen. Im Verlauf von einigen Jahren wandern die Kräuter, die sich am Standort wohl fühlen, in die ganze Weidefläche ein. So, wenigstens, meine Hoffnung.

Der Rat der Herbalists: keine Herbizide einsetzen, da Kräuter sie nicht vertragen. Die Frage stellt sich mir gar nicht, da wir die Weiden entweder mit dem Spezialdünger dieser Firma versorgen oder mit EM den Boden „impfen“, statt herkömmlich zu düngen: Effektive Mikroorganismen, die absolut verträglich und rein biologisch sind. Den gelben Hahnenfuß, der sich nur mäßig ausbreitet, und das für Pferde schleichend tödliche  Jakobskreuzkraut, das inzwischen versucht, am Rand des Reitplatzes Fuß zu fassen, stechen und reißen wir nach wie vor per Hand aus.  Ja, mit Handschuhen an.

„Oh, unter der Buche ist ja gar kein Sand mehr, da ist alles jetzt grün“, freut sich die Mieterin auf dem Hof, die von ihren Fenstern aus den direkten Blick auf die Pferdeweide und den Obsthof hat. Die Überraschung ist gelungen, als die 88 Jährige nach einem Reha-Aufenthalt im Herbst in die Wohnung zurück gekommen ist.  Nicht so kundig ist eine Therapiekundin aus Westfalen: „Hast Du niemanden, der Dir die Weidepflege macht?“ – Heike kann offenbar Sonnenröschen nicht von Hahnenfuß und Johannes- nicht von Jakobskreuzkraut unterscheiden? Zeit für eine Kräuterwanderung, sonst könnte die Weidefläche in Westfalen für „Paul“ und seine Herde gefährlich werden.