Die Pferde des Klaus Philipp

Die Pferde des Klaus Philipp Ausstellung im Bachmann Museum in Bremervörde bis 18. Oktober 2009

Wer einen „Pferdemenschen“ nach seinem Leben fragt, darf sich nicht über die Flut der Geschichten wundern, die dann aus seinem Fundus sprudeln! So ging es den Besuchern des Bachmann Museums in Bremervörde, in dem Klaus Philipp aus Putensen in der Lüneburger Heide gerade unter dem Titel „Kunst an der Oste“ seine Bilder präsentiert. Es ist das Jahr der Schwebefähre in Osten, einem kleinen Ort im Landkreis Cuxhaven, der auf 100 Jahre mit diesem seltenen Bauwerk zurückblicken kann. Da bot sich an, zahlreiche Veranstaltungen zu organisieren; nicht alle müssen mit dem Bauwerk aus Stahl zu tun haben!

„Die Pferde von Klaus Philipp“ heißt also die Ausstellung, die auf Vermittlung eines Fotografen aus Elm bei Bremervörde in die Oste-Stadt gekommen ist. Die Zeichnungen reichen von Skizzen in Kohle und Kreide über Aquarelle bis zu den bekannten Ölgemälden, die Hengste wie Habicht und Contender zeigen. Für die Menschen, die mit Pferden weniger vertraut sind, ist ein Raum mit Motiven aus der abstrakten Malerei sicher interessanter. In diesen Werken verarbeitet der Maler seine Ausflüge in die Psychoanalyse: Klaus Philipp war bei der Polizei und Leiter der Reiterstaffel in Stuttgart.

Während drei Dutzend Besucher ihm durch die Räume auf dem knarrenden Holz des Bodens folgen, kommt Klaus Philipp ins Plaudern. Über das abstrakte Malen, das dem Menschen nicht fremd sei: „Wenn Sie morgens aufwachen und sehen in die Sonne, verschwimmt der Blick im Licht; das abstrakte Sehen ist also dem Menschen bekannt“. Vor dem Bild einer Rennbahnszene wird der Maler persönlich und echauffiert sich über die Arroganz ungebildeter Sammler, die sich von einer Consulting Firma eine Kollektion zusammenstellen lassen, um damit zu glänzen. Philipp ärgert sich über Kritiker seiner Malerei. So habe sich eine Galeristin einst negativ über das Motiv einer mondänen Frau im Vordergrund eben dieses Bildes geäußert, vor dem er gerade steht. „Wenn ich die wieder herausnehmen würde, fehlt dem Bild doch das Salz in der Suppe“, verteidigt er seine Entscheidung.

Klaus Philipp ist Widerspruch nicht gewöhnt. Das mag aus seiner Zeit bei den Polizeireitern herrühren. Als ihn Kollegen aus der Kunstszene naserümpfend für seine Bezeichnung, er sei Pferdemaler, abqualifizieren wollen, begegnet er denen am nächsten Tag mit einem abstrakten Werk. „Wie finden Sie das?“ fragt er und bekommt zur Antwort: Ja, das sei Kunst. Typisch, dass er mit der Schlussbemerkung „Sehen Sie, das ist von mir“ das letzte Wort haben musste. Er ist kein Autodidakt. Philipp hat von 1957-59 Malerei in Stuttgart an der Freien Kunstschule studiert und ist ein Jahr später im Bund Bildender Künstler (BBK) aufgenommen worden. Geboren 1932 in Aue im Erzgebirge, begann er 1947 eine Landwirtschaftslehre und die reiterliche Ausbildung in Holstein.

Pferde faszinierten den Jungen, das Leichtgewicht mit kleiner Statur: 1950 versuchte er eine Jockeylehre, wechselte aber in die Bereitertätigkeit. Mit dem Eintritt in den Polizeidienst 1951 kam Klaus Philipp seinem Wunsch näher, zur berittenen Einheit zu gelangen. Er holte 1962 sein Abitur nach und wurde 1964 als Polizeioffizier Leiter der Reiterstaffel. Seit 1980 widmet er sich ausschließlich der Malerei und hat einen Wohnsitz mit Nähe zu den Rennbahnen in Baden- Baden (Iffezheim). Seine Pferde und seine Frau leben mit ihm in der Lüneburger Heide. Dort züchtete er Rennpferde und Blüter für den Vielseitigkeitssport, in Luhmühlen gehörte er zum Inventar, bei der EM in Achselschwang war er als Gast dabei. „Das tue ich mir heute nur noch selten an“, entgegnet er Fragen aus dem Auditorium, „früher haben die Buschreiter noch zusammengehalten, heute gönnt jeder dem anderen den Fehler“. Auch für Vollblutzucht hat er kritische Worte, wobei ihm die Faszination für das Tempo auf dem Geläuf anzumerken ist.

Das Bild namens „Finish“ spiegelt diese Faszination nur ungefähr, der Maler erklärt das gern selbst: Als Kind habe er gern Süßigkeiten genascht, aber wenn er an den Schrank wollte, hing darüber das Bild des Führers und vermittelte ihm das Gefühl, die Augen würden ihm überallhin folgen. So hat sich Klaus Philipp zum Ziel gesetzt, diesen Effekt auch seinen Motiven abzuringen: „Springen Sie mal vor dem Bild nach rechts und links“, motiviert er sein Publikum. Wie wenig er Kritik schätzt, beweist Klaus Philipp bei der Frage eines Tierarztes aus der Region, warum auf den Bildern häufig nur Pferde im Ausschnitt zu sehen sind: „Das ist eine Technik bekannter Maler“. Gern hört er Vergleiche seiner Malerei mit Degas oder mit Toulouse-Lautrec.

Die Ausstellung, die als nächstes im Februar nach St. Moritz reisen soll, zeigt die unterschiedlichsten Motive aus dem Bereich Reiten: Jagdszenen, Polospiel, die Ehrenrunde von Aachen, Rex the Robber von Alwin Schockemöhle, unvergessen für Klaus Philipp ist dieser Schimmel, den er portraitierte wie die berühmten Hengste Habicht und Contender. Das Pferd ist im Mittelpunkt, die Gesichter der Reiter und des Publikums verwischen zu Farbtupfern. Besonders die Farben sind es, auf die Klaus Philipp stolz ist, denn im Rennsport hat jeder Stall eigene und es war die Aufgabe des Malers, zu prüfen, ob seine Interpretationen authentisch sind. Überhaupt umgeben den Mann, der noch heute von der Statur her Jockey sein könnte, viele berühmte Namen wie Lester Pigott, und Klaus Philipp spart auch nicht daran, solche Persönlichkeiten zu erwähnen. Das ist es wohl auch, was die Leute von ihm wissen wollen: Der Blick in die Kulissen der Reichen und Schönen, wie sie der Reitsport im Fernsehen darstellen mag.