Hofreitschule

So wurde aus „Hasi“ wieder der mutige Spanier Marcos / Special Event in der Hofreitschule
Gelassen beobachtet er sein Publikum aus großen, spanischen Augen. Das graue Haar ist zu seiner typischen Frisur geflochten und hebt sich vom silbern schimmernden „Flaum“ der Körperbehaarung ab: Kein Macho mit einem Drei-Tage-Bart, aber Manns genug, um sich seinem Trauma zu stellen, das er im Stierkampf und dem dafür nötigen Training in seinem quasi ersten Leben erworben hat. Das ist „Hasi“, Pura Raza Espaniola“, kurz PRE, ein Star im Special Event der Fürstlichen Hofreitschule in Bückeburg. Dem Hasi mit der Skepsis im Blick, unter der geflochtenen Mähne sorgsam verborgen, steht heute kein vierbeiniger Stier gegenüber und auch kein Torero, sondern ein Kalifornier namens Jeff Sanders, dem das Schicksal des Hengstes nahe geht und der ihm helfen will, sich der Angst zu stellen.


„Hasi“, wie der Hengst von seiner Reiterin Rebecca zärtlich gerufen wird, kann die Angst nicht allein überwinden, die er in seiner Ausbildung zum „echten Spanier“, vierbeinigen Stierkämpfer, entwickelt hatte. „Hasi“ nicht etwa wegen dieser Angst allein so genannt, erklärt sein Hofreitmeister Wolfgang Krischke, sondern „Weil er so schöne lange Ohren hat“. Er strubbelt Hasi über den Kopf, wie einem fünfjährigen Lausbuben. Auch Pferde werden in den Übungseinheiten hier nie bloßgestellt! Niemand sollte es wagen, ein Pferd auszulachen, wie es in anderen Shows oft übel demonstriert wird, das wird jetzt deutlich.


Hasi hat sich bei seiner Ankunft in Bückeburg damals kaum anfassen lassen, versteckte sich fast vor sich selbst, hüpfte vor Schatten davon. Diese Erinnerungen der Krischkes sind für sie schon blasser als für Hasi, der einst stolz Marcos hieß, so steht es an der Doppelbox auf seinem Namensschild im Marstall. Die Vorarbeit ist im Fürstlichen Marstall getan, Hasi wirkt bereits, als hätte er ein hohes Selbstwertgefühl und wisse alles schon. Bis Sanders die Bahn betritt. Doch die Angst baut sich sofort ab bei Hasi, als er schnell versteht, was Jeff, mit dem komischen Hut des kalifornischen Vaqueros, der zweibeinige Stier, von ihm will: er stellt den einstigen Gegenspieler nach und Hasi folgt seinen Bewegungen zur Überraschung der Leute in der Menge, aber auch für Rebecca im Sattel, als hätte er nie etwas anders getan! Jede seiner Körperzellen erinnert sich, aber jetzt ohne Angst und sogar mit Spaß, der Hasi eindeutig wieder zu Marcos macht. Olé! Das Publikum applaudiert begeistert.


Alles, was Hasi vorher mit Rebecca im Programm abgewickelt hatte, wirkte, als würde es sitzen. Der Schimmel zeigte jedem deutlich, wenn seine Reiterin aufgefordert wurde, einen Sitz auf die falsche Rückenpartie zu zeigen oder unpassende Hilfen zu geben. Notfalls bot er willig einfach mal den Spanischen Schritt an, wenn er die Zeichen nicht zu deuten wusste, wieder und wieder bemüht in den kurzen Reprisen, seiner Reiterin zu gefallen. Zwischen den Übungen steht Marcos am langen Zügel wie ein Reiterdenkmal, aber entspannt, zufrieden.
Die Übungseinheiten für jedes Pferd überschreiten bei Krischkes selten zwanzig Minuten, um die Pferde nicht zu überfordern und den Fleiß zu erhalten. Der Hofreitmeister warnt: „Wenn Sie rechtzeitig aufhören, wird Ihr Pferd am nächsten Tag auf die Arbeit brennen, um Ihnen zu zeigen, was es alles gelernt hat“. Das verlangt Verantwortungsgefühl des Menschen, das aber nicht immer in dem Maß da ist, das Pferde von ihren „Meistern“ im Sattel erwarten?


Die Events in der Fürstlichen Hofreitschule an sich sind ein Leckerbissen, den sich wahre Pferdefreunde nicht entgehen lassen sollten, selbst wenn sie glauben, schon alles zu wissen, was sie über Pferde je lernen konnten. Wissenslücken werden hier auf charmante Art durch Christin Krischke, ihren Gatten Hofreitmeister Wolfgang in humorvoller oder auch strenger Form gefüllt, bei Specials jeweils mit besonderen Gästen auf zwei und vier Beinen. So wie Jeff Sanders aus Kalifornien, der helfen will, Unterschiede und Gemeinsames der Vaqueros aus Kalifornien und der Barockreiter in der Zeitreise anschaulich zu erläutern.


„The whole package“, das ganze Paket müsse stimmen, gesteht Sanders im Zwiegespräch zu, nachdem er mit einer jungen Reiterin und ihrem bisher Western ausgebildeten Wallach den Cowsense schult, den diese Rasse schnell ihrem Zuchtziel entsprechend beherrscht, wie rund 150 Zuschauer in der wunderschön dekorierten Halle des Marstalles erleben dürfen. Dabei ist manchmal die Reizleitung des Braunen samt seiner Auffassungsgabe schneller als die seiner Reiterin, die bei den vorgeschalteten Übungen so ihre Probleme bekommt. Nicht alle der Zuschauer erkennen das sofort, bekommen es aber anschaulich erklärt.


So wie das Problem des Pferdes ebenfalls nur wenigen im Publikum deutlich wird: Dieser Braune mit den geschorenen „Rallyestreifen“ ist im Rahmen seiner Möglichkeiten nach der Anreise aus dem Raum Hamburg bemüht, aber gebremst durch eine fehlende, fachkundige Bearbeitung der Hufe, was Sanders bemerkt, aber er stellt seine Schülerin nie bloß. Zum gesunden Pferd gehört nun mal besonders ein gesunder Huf, das weiß jetzt auch die junge Dame im Westernsattel, deren Huftermin wegen Krankheit der Hufpflegerin verschoben wurde, gesteht sie auf Anfrage unter vier Augen. Damit spiegelt sie nur ein Problem, das viele Pferdebesitzer haben: einen guten Schmied oder alternativen Hufbearbeiter zu finden, der regelmäßig und pünktlich da ist. Im Notfall auch einen geeigneten Ersatz zu bekommen, ist wahrlich vielerorts schwierig.
Karola K. Bady, Redaktion auf Rädern (RaR)