Reiten in Harmonie

Nach der Art und Weise gefragt, wie ich genau arbeite, kann ich den meisten potentiellen Klienten nicht viel mehr sagen, als dass ich mein Diplomstudium bei ATM und ATN als Grundlage meiner Methoden sehe. Ich kombiniere meine Erfahrungen aus der klassischen Reitausbildung nach den alten Meistern mit neuen Erkenntnissen aus Yoga, Pilates, Alexander-Technik, Ernährungs- und Sportwissenschaft, Soziologie und Psychologie. Dabei gehe ich immer gern bei jedem Fall auf die Gegebenheiten der Natur des Pferdes ein in Freiheit, Ernährung und dem typischen Überlebenstraining, dem unsere Pferde seit Millionen Jahren ausgesetzt sind. Zur Vorbereitung auf meine Arbeit kann ich jedem potentiellen Klienten nur eine Lektüre ans Herz legen:

Dr. Ina G. Sommermeier / Pferdeschule - Menschenbildung

Die Abweichung zwischen Theorie und Praxis, auf die uns kein Studium vorbereiten kann, fange ich mit langjähriger Erfahrung in der Zucht und Haltung von Pferden auf. Die Praxis ist also das A und O, auch wenn uns im Studium die Hintergründe für die genauen Ursachen einer Störung beim Pferd erst bewusst gemacht werden können. Eine fachliche Ausbildung ist deshalb oberste Pflicht, ebenso die Fortbildung! Nur zu gern stelle ich mich einem Prüfungskomitee, wenn damit gewährleistet wird, dass kuriose Therapeuten und Methoden eliminiert werden.

Da in meiner Praxis vollkommen andere Fälle auftauchen als die, auf die unsere Dozenten uns vorbereiten könnten, habe ich meine Arbeitsmethoden immer wieder verbessert und verfeinert. Das Lernen hört nie auf, wenn unsere Klientel aus lebenden Wesen besteht, und so kann ein Tag, eine Behandlung, ein Patient völlig von jedem anderen abweichen. Während mich das Studium auf Verhaltensstörungen vorbereitet hat, auf Kopper, Weber und Pferde mit diversen Stereotypien, stellt mich die Praxis vor ganz andere Fälle: Die meisten Störungen basieren auf mangelndem Verständnis des Menschen für sein Pferd, auf Unwissen über Pferdeverhalten und Kommunikation!

Traumatraining: Mittel gegen die Angst

Zwei Wesen, ein Thema. Beim Lehrgang mit Andreas Weiser in Süseler Baum fragte mich Hans-Peter Scheunemann abends an der Weide, auf der unsere beiden Jungpferde als einzige im Freien übernachteten, warum so viele von uns den Lehrgang reiten trotz so großer Ängste! Ich stutzte einen Moment und antwortete: „Weil keiner vor seiner Angst weglaufen kann! Egal, wohin ich gehe, die Angst ist schon da!“. Ich finde es mutig, und empfinde es als den einzigen Weg, sich der Angst zu stellen!

Angst bestimmt nicht über mein Leben, Zwang ist nichts für mich! In der Natur ist Angst ein Mittel, das Leben retten kann in der Herde der Pferde. Übermäßige und unbegründete Angst ist dagegen Verschwendung von Leben rettender Energie und somit besser zu vermeiden! Glauben Sie mir, ich kenne Angst beim Reiten! Nach einem Wadenbeinbruch hatte ich lange ein ungutes Gefühl, wenn ich mit dem Pferd galoppieren wollte, mit dem es passiert war. Zum Glück habe ich bei Lehrern wie Dr. Ina Sommermeier und durch die Huna Heilzirkel gelernt, wie ich mein Trauma überwinde und mich von der Angst befreien kann!

Fairness und Verständnis im Umgang

Unterdrückung des Partners, Unterdrückung der Angst ... das ist sinnlos. Pferde sind hochsensibel und wissen genau, wen sie vor sich haben! Ob der Mensch mutig ist oder nur so tut, das ist ein weiter Unterschied, den Pferde schonungslos entlarven.

Pferde spielen nie den Mutigen, sie sind stets authentisch. Zwang führt nicht zur Überwindung von Angst, sondern verstärkt die Symptomatik. Ein Pferd, das zum Gehorsam gezwungen werden soll, noch dazu von einem Reiter oder Führenden ohne Überzeugungskraft, ohne Führungsqualität, wird erst erstarren und dann in Verhaltensstörungen ausweichen!

Ich bin überzeugt davon, dass es wichtig ist sich Vorbilder zu suchen und ihnen zu folgen. Nicht kritiklos, sondern geschult, Differenzen zwischen Innen und Außen wahrzunehmen. Daran erkenne ich die guten Lehrer! Wir können lernen authentisch zu sein und mit unserer Angst umzugehen, statt sie zu ignorieren.

Pferde reagieren immer auf unterdrückte Angst und lassen sich niemals täuschen. Das ist die Natur in ihnen, für das Pferd in der Freiheit ist das überlebenswichtig und lebenserhaltend. So wirkt Evolution. Wer Schutz und Sicherheit für die Pferde garantieren kann, ist Chef / Chefin.

Reaktionen der Pferde auf Angst eines Herdenmitgliedes sind instinktiv und unmittelbar, es folgt der Fluchtinstinkt ohne Direktleitung zum Hirn, ohne Einsetzen von Überlegung und Verstand. Das hat die Natur so für Pferde eingerichtet und das hat sich bis heute bewährt! Dieser Vorgang spielt sich in Regionen des Gehirns ab, die willentlich nicht steuerbar sind.

Reiten in Harmonie mit Leichtigkeit

Aus Angst wird Flucht, aus Aggression wird Kampf, aus Erstarrung wird irgendwann Resignation oder Flucht nach vorn um jeden Preis. Beim Menschen und beim Pferd. Beim Reiten und im Leben.

Pferde, starr vor Angst, sind schwer bis gar nicht zu „bedienen". Das wird vom Reiter gern ignoriert, bis es nicht mehr anders geht, weil Pferde in eine andere Verhaltensweise wechseln, krank werden oder als „gestört“ zu Therapien geschickt werden, schlimmstenfalls zu Leuten, die mit Gewalt versuchen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Ich habe erlebt, dass ein Pferd in Erwartung von Schmerz jede Empfindung einfach abschaltete, noch bevor die Gerte es wiederholt traf! Überlebensstrategie ist in solchen Momenten einfach nur Tragen/Ertragen der Situation!

Pferde, ständig in Gedanken auf der Flucht, oft kopflos, mit hohem Kopf und angespannten Muskeln, sind "anstrengend" für Reiter oder für Leute, die am anderen Ende des Führstricks sind. Dieses Angstverhalten kann zu schlimmen Unfällen führen! Mit viel Geduld können solche Pferde trotz möglicher Rückschläge bei der Arbeit überzeugt werden, dass ihnen nichts passiert, wenn sie den Kopf tief halten. Diese Position darf nie ausgenutzt und missbraucht werden!

So hat Grizou bei uns in den ersten Jahren gelernt mit seiner Angst zu leben (siehe Erfolge). Sie ist heute manchmal noch da, wenn jemand ihm mit Jähzorn begegnet! Vor allem, wenn er angebunden ist und sich dem „Angreifer“ ausgeliefert fühlt, weil er nicht flüchten kann. Das Gehirn des Pferdes hat dieses Bild gespeichert! Es ist bei vermeintlicher Gefahr abrufbar und es dauert seine Zeit, dieses Bild anders zu programmieren.

Viele Ausbilder erklären das so: Pferde, die flüchten, den Kopf anheben, den Rücken anspannen und nur noch auf Flucht programmiert sind – dafür sind die Beine das wichtigste Organ – reagieren „nicht normal“ in unseren Augen. Denken oder Zuhören ist in so einer Phase für panische Pferde oft unmöglich. Deshalb gelten aggressive Pferde landläufig und zu Unrecht als "Verbrecher". Sie folgen jedoch lediglich ihrem Denkschema, erlerntem Verhalten oder dem evolutionär bedingtem Lebenserhaltungstrieb.

Ein Pferd, das bis zur Weißglut gequält wird, wehrt sich irgendwann aus Verzweiflung. Es gibt zwei Varianten: aufgeben oder selbst angreifen. Karola Bady: „Wer ein Pferd in die Enge treibt, wird erleben, das es sich aufgibt oder es dreht sich um und greift an“. Nun noch eine falsche Bewegung und es befreit sich gezielt von dem Quälgeist, wie es in der Natur auch versuchen würde, sich eines Raubtieres zu entledigen.

Steigen, nach hinten werfen, bocken und beißen. Gleichzeitig ist das Tier hochsensibel, was ich für mich nutzen könnte, statt auf dieses Programm namens Scheitern einzusteigen! Ein Pferd, das heute ganz fein reagiert, WEIL es so sensibel ist, das aber auch freudig bei der Arbeit ist.

Viele Reiter fliehen nicht, sie bleiben dabei, auch beim Reiten, obwohl sie große Angst haben. Angst begleitet viele Menschen: Unfallopfer, Kranke mit lebensbedrohlichen Gesundheitsstörungen, Missbrauchsopfer. Angst, sein Leben oder einzelne Situationen im Handeln nicht mehr beeinflussen zu können, in Situationen zu geraten, die "außer Kontrolle sind“, die nicht mehr aktiv beeinflusst werden könnten. Wie reagieren diese Menschen auf unruhige Pferde? Haben Sie genug Übung, die Angst zu überwinden oder bemühen sie sich nur, sie zu überspielen? Das Pferd wird es spiegeln.

Pferde kämpfen oder sie erstarren. Druck erzeugt Gegendruck. Nie reagieren Menschen und Tiere mit Entspannung und Vertrauen auf Druck! Es wird ein Teufelskreis. Zeigt der Mensch seine Angst, allein nur dadurch, das fast unmerklich Stresshormone ausgeschüttet werden oder die Atmung flach wird, folgt das Pferd mit seiner sensiblen Wahrnehmung dem Instinkt und sagt sich: Alpha (wenn der Mensch die Führposition hat) ist von Angst gesteuert. Einem unsicheren Führer folgt kein Pferd.

Verdrängung hilft in solchen Momenten kein Stück weiter! „So einer Situation aus dem Weg gehen zu wollen, ist hier natürlich keine Lösung, sondern ein Katalysator, der das Problem nur verstärken wird“, erklärt Karola Bady die Essenz aus ihrer Arbeit mit equinen Traumapatienten. Diese Vorstellungskraft üben wir im Trauma-Training, ob auf dem Pferd oder am Boden bei Übungen, die zur Körperarbeit zählen. Lassen Sie sich auf eine Übungseinheit zur Probe ein, bei Ihnen auf der Anlage oder bei uns. Mit Ihrem Pferd oder zuerst ohne oder mit einem von unseren aus dem Führungstraining. Substitution: Mentalpraxis Doradoel, Cuxhaven.

Eine Übungseinheit zu Beginn des Trauma-Trainings

Mit Naduah demonstriere ich auf dem 40x20 Viereck im freien Lauf, dass sie nur durch Gedankenkraft, Körpereinsatz und Habituation (=lernen durch Gewohnheit) longiert werden kann, ohne eine Longe zu gebrauchen! Naduah zirkelt brav um uns herum, hört auf Stimmkommandos und folgt mir bei Fuß, ohne dass ich etwas wie Join up oder Follow up je mit ihr geübt hätte. Der Anspruch an mich: Schnell genug zu sein, um das Pferd drehen und wenden zu können. Es schult die Aufmerksamkeit beider!

Nun weiß Verena, dass Stimme nur dienlich ist, wenn ich mit einem Pferd allein in der Bahn bin. Sie sieht was passiert, wenn einer in der Bahn gerade sein Pferd/Pony mit Stimme ruhiger haben will, während der andere seines mit Stimme gerade auffordert, mehr Tempo zu machen! Wir können die Sprache also zur Beschwichtigung benutzen, um Befehle zu installieren, um es einem Pferd leichter zu machen, uns zu verstehen, aber dann tauchen wir wieder in die Stille, in die Welt der Pferde ein, leiten zur Körpersprache über, zur Kraft Innerer Bilder, sprich: zur Kommunikation über Gedanken und Körpersprache.

Begeistert bin ich davon, wie wach Verena ist, dass sie sich schon ohne großes Anstoßen von mir Gedanken in die richtige Richtung macht. Sie versteht, wie es um die Natur der Pferde geht und wie wir daraus lernen können. Es ist angenehm, Themen nur kurz ansprechen zu müssen und meine Schülerin nimmt diesen Gedanken gleich auf, spinnt ihn weiter.

Zwiegespräch mit Verena über die Freie Arbeit mit Naduah

- Einfangen: Irgendetwas schien Nadu am Dienstag nicht gefallen zu haben. So haben wir aber schon den ersten Teil unserer Freiarbeit getan - Treiben und Einfangen.

Anmerkung Karola: Kann ja nicht schaden, wenn der Reiter auch sportlich ist, Sport macht.

-Beim anfänglichen Führen fiel mir mal wieder mein oberflächliches Atmen auf. Wie wenig man im Alltag wohl richtig durchatmet?

Karola: Wir Leistungssportler denken für gewöhnlich, Atmen gehört zum Repertoire und muss nicht extra geübt werden. Meine Reitstunden/Therapie zeigen mir: da ist noch viel zu tun!

- "Toter Indianer": Ich glaube, das war für uns beide ein komisches Gefühl. Aber! Ich habe jetzt das Aufsitzen verstanden! Schwere Geburt

Karola: Toter Indianer heißt eine Übung, die Verena und ich so genannt haben. Dabei lässt sich der Reiter nach dem Aufsteigen bäuchlings über dem Sattel tragen und bleibt einige Schritte in dieser Haltung, die an Tote Indianer erinnert, wie sie in Western gern transportiert wurden

- Schritt: Jaaaaaaaa - langer Zügel

-  Karola: Verena hatte anfangs große Probleme mit Reiten ohne Abhängigkeit von der Zügeleinwirkung. Das Merothische Reithalfter war für sie zuerst ein Graus! Schnell lernt Verena nun, dass die Zügeleinwirkung sehr gut auch zart sein kann und gemein, wie ich bin, durch das MR (Merothisches Reithalfter) auch noch gegengleich wirkt, weil die Zügel kreuzweise unter dem Pferdekinn geführt werden! Also ist hier nichts mit am Zügel ziehen rechts, wenn ich nach rechts reiten will! Verena hat sich schon in der ersten Stunde überwunden und ist mit Naduah ins Gelände, ohne lange nachzudenken, dass Nadu gebisslos geht! Der Aufschrei „Jaaaa, langer Zügel“ kam von Verena so spontan und erleichtert bereits nach der ersten „Reitstunde“ auf Naduah, die abgekürzt eben Nadu gerufen wird. Verena macht quasi das Trauma-Training und bearbeitet nebenbei hier ihre Ängste!

Verena: Nur mal so: Ich hatte keinen Speckdeckel auf und hab mich trotzdem nicht nackelig und verloren gefühlt! = * Karola: Speckdeckel ist ihr Lieblingswort für die Reitkappe!

Karola: Natürlich achten wir sonst immer drauf, dass Verena eine Reitkappe trägt! Bei den Übungen, die wir am Boden machen und die Pilates mit Huna vereinigen, ist die Reitkappe allerdings seltener dabei wie eben heute.

Zitat: Auf die Kappe kann ich als Sicherheitsschutz schon mal mit ruhigem Gewissen verzichten, wenn ich mein Pferd sehr genau kenne und einschätzen kann

Verena: Augen zu: Wann fußt die rechte Vorhand? Bei der Hinterhand ließ sich mein Hirn nicht mehr abschalten. Hab nicht gefühlt, sondern zu viel logisch gedacht, aber zur Biomechanik hätte ich eine Menge erzählen können.

- Warum sitz ich besser, wenn du mich ablenkst? Bis jetzt ist mir noch keine Lösung eingefallen.

Karola: Weil du dann endlich mal den Kasper in Deinem Kopf gefesselt in den Baum hängst wie Troubadix den Barden bei Asterix und Obelix! Zu viel denken schadet beim Reiten oft!

- Durch die Atmung anhalten = klappt bei Verena und Nadu häufig auf Anhieb, manchmal nicht

Karola: Gutes Beispiel ist das Durchparieren bei einem Bahnbuchstaben wie A oder C = Viele Reiter „überfallen“ das Pferd und geben die Hilfen zum Halten in der falschen Reihenfolge, zu hastig oder viel zu spät! Ich bereite mein Pferd zum Halten vor, indem ich als erstes überhaupt mal den Entschluss fasse, dass ich bei A oder entsprechend C halten WILL. Das zuerst! Der Gedanke wird umgesetzt durch Willenskraft, die in Bewegung (Motion & Emotion) verwandelt wird. Merke: Das Ausbleiben einer Bewegung wie Treiben ist schon ein Befehl für das Pferd, oder lieb gesagt, ein Hinweis, dass ein Tempo vermindert wird! Dem Gedanken folgt also eine Handlung oder durch Ausbleiben der Handlung (Treiben fehlt) ein neuer „Befehl“.

Der nächste Schritt ist die Atmung. Atme ich als Reiter deutlich ruhiger und langsamer, wird sich mein Pferd generell dem anpassen! Nett, oder? Diese mentale Verbindung spürt nicht jeder Reiter von Anfang an. Sportler, die sensibel geschult sind, kennen dieses „Gefühl“ und wollen da immer wieder hin, das zu erspüren, diesen Einklang mit dem Pferd unter sich (bei Bodenarbeit auch neben sich oder beim Fahren/Rückepferde eben vor sich!)

Wichtig ist die Abfolge der Hilfen! Eine Gewichtshilfe, und ist sie auch nur minimal, wird dem Pferd sagen, dass eine neue Aufgabe/Lektion angestrebt wird. Die Gewichtsverlagerung kann schon anzeigen, ob es langsamer werden oder ob es seitlich treten soll! Ein Pferd tritt, freundlich und sozial wie es ist, meistens freiwillig unter das Gewicht des zu tragenden Reiters! Der Schenkel „sagt“, ob es vorwärts, verwahrend (den Ausdruck würde ich heute modern durch bremsenden Schenkel ersetzen wollen oder in der Form eines „den Schenkel weichen lassen“) oder eben seitwärts gehen wird, je nach Wunsch des Reiters, was abverlangt wird. Erst am Ende, quasi als Auffangstation, ob der „Befehl“/Wunsch/Impuls des Reiters angekommen ist, kann es eine deutliche Zügelhilfe geben, Betonung liegt auf Hilfe!

Ein „verwahrender“ Zügel, also ein Anlegen an den Hals des Pferdes, ohne unangenehm und lästig auf zarte Lippen, Lade, Maulwinkel oder gar über die Meridiane schädlich auf viele Organe zu wirken, ein Zügel, der wie mit Spinnweben vergleich bar ist, wird sofort nach Erfüllen der Aufgabe als Lob für das Pferd nachgegeben! Ausnahme: Das Pferd bleibt nicht stehen, widersetzt sich. Dann darf der Zügel zart erinnern, was erwartet wird, nämlich braves Stehen, so lange, bis der neue Befehl/Wunsch/Impuls des Reiters übermittelt wird. Nun klarer, meine liebe Verena?

- Nun kam das, was ich in meiner zweiten Stunde mit Naduah bei Karola so bewundert habe: Longieren ohne Longe. Anfangs stockend, später wurde es dann aber besser. Nur bei den Übergängen in die langsamere Gangart ging es noch nicht so gut.

- Karola: Verena, Meister fallen nicht vom Himmel. Manchmal ja, meistens nicht. Es braucht etwas Übung, um den eigenen Körper so gut zu kennen und so fit zu sein, um mit dem Pferd zu spielen in der Kommunikation! Heute weißt Du doch schon so viel: Wenn ich mit meinem Körper weiche (wie ein verwahrender Schenkel) und dem Pferd Raum gebe, kommt es entweder auf mich zu und ich entscheide, ob ich das will oder ob es durch meinen Körper wieder hinaus getrieben wird oder in schnellere Gangarten. Wenn ich mich auf das Pferd zu bewege, wird es schneller (flüchtend) oder es dreht! Dann bin ich gefragt! Wie schnell bin ich? Wie schnell reagiere ich und wann bin ich in der Lage zu einer Reaktion, BEVOR das Pferd reagiert! Aktion und Reaktion. Wer möchtest Du dabei sein? Einen Schritt voraus sein! Das erfordert nicht nur einiges Geschick, sondern auch etwas sportliche Fitness.

Verena: Ok, ich gebe zu: das mit dem Atmen hapert wirklich noch, dafür kannte Nadu deine Anweisungen aber schon. WICHTIG: Loben, loben, loben! Besonders bei dem Kopf runter.

Karola: Genau! Lob, wenn sie was richtig macht, ist positive Verstärkung ( = Fachausdruck)=> Naduah geht in Dehnungshaltung

Verena: Das Ganze war unglaublich schön. Hätte sie partout nicht mitmachen wollen, hätte sie sich ja weigern können! Hat sie aber nicht. Sehr schön zu merken: wie viele Möglichkeiten hat der Mensch doch, "sein" Pferd kennen zu lernen. Wie schön, das ausbauen zu können *träum* So etwas, nur noch weiter entwickelt, ist für mich Kunst. Die Kunst mit dem Pferd zu tanzen.

Karola: Ja, wenn der Begriff nicht so entweiht worden wäre! Die Antike kennt ja schon das angestrebte Ziel: eins werden von zwei Wesen! Wie beim Tanz! Oder in der Liebe. In einer Ehe. Mutter und Kind. Der Unterschied zwischen Reitlehre und Reitkunst ist Dir, Verena, jetzt deutlich geworden! Das ist für mich die größte Freude bei der Arbeit mit Dir und Naduah: Eure leuchtenden Augen!

Verena: Nochmal aufs Pferd (Aufsitzen klappte besser)

Schritt und Trab im Entlastungssitz. Als ich denn endlich für kurze Zeit wirklich locker war, hab ich mich gefühlt wie ein Motor - wo die Kolben im Wechsel hochkommen. Nadu dankte es mit einer tiefen Kopfhaltung und einer perfekten Dehnung. Karola: Wie wir es uns gewünscht haben bei ihr und DIR

- Damensitz im Stand

Karola: auch eine gute Übung, mal etwas anders zu machen, eine andere Position zu erfühlen

- Am Ende noch mal den "Toten Indianer"= schon besser als der Erste. Aber so ganz stehen wir noch nicht auf Rothäute.

Karola: Wird schon noch werden, Abahatschi!

Verena: Nach dem Absatteln wollte sie nichts mehr von mir wissen. Ok, Verena, Pause für die große, braune Nadu-Maus mit der so schwarzen Seele und dem Schimmer in den Augen.

Karola: Verena, sie wird Dich beim nächsten Mal wieder erfreut begrüßen. In Konkurrenz zur Pferdeherde und zu grünem Gras oder einem Bad im Sand sind wir doch ein Nichts! Bedenke doch, dass wir als Menschen für unsere Pferde einfach nicht komplett genug sind! Wir sind nur der Gast in ihrer Herde, nicht der Führer, nicht der schützende Hengst, nichts im Rang, nicht wirklich. Wenn wir willkommen sind, dann als Entertainer, und das ist doch auch ganz schön.

Reiten und Leben ohne Angst, das ist mein Ziel.